Schwitzhütte

Die rituelle Benutzung von Schwitzhütten geht auf die Indianer Nordamerikas zurück; obgleich auch archäologische Funde die Vermutung zulassen, dass andere Völker der nördlichen Halbkugel Schwitzhütten ebenso nutzten. Diese Konstruktionen wurden hauptsächlich für die Vorbereitung von Zeremonien, zur Reinigung, zur Abhärtung (physischen Gesunderhaltung) und zur Heilung bei Erkrankungen eingesetzt.

Besonders der Stamm der Lakota Indianer, eine Gruppierung der Sioux-Indianer, wird im Zusammenhang mit Schwitzhütten, die in der Stammessprache auch Inipi (von Lakota: sie schwitzen) genannt werden, sehr häufig erwähnt. Dieses Ritual hat für diesen Stamm eine besondere Bedeutung und wird auch heutzutage noch durchgeführt.

Die Schwitzhütte

Indianische Schwitzhütten tauchen in verschiedensten Formen auf. Bekannt sind beispielsweise einfache und abgedeckte Erdgruben, rechteckige und flache Konstruktionen aus Holz, runde Lehmhütten sowie die ursprünglichen Lakota Bauten, die aus einer Kuppel aus Weidengeflecht bestehen. Diese traditionellen Inipis werden bei einem rituellen Vorgang aus Weidenstäben oder Haselnussruten errichtet, die in vorbereitete Löcher gesteckt und zu Bögen geflochten werden.

Aufbau einer Schitzhütte

So in etwa könnte eine der ursprünglichen Schitzhütten ausgesehen haben

Diese Bögen werden durch vier Ringe schließlich kuppelförmig verstärkt. Im Zentrum der Kuppel wird eine Grube ausgehoben in der später die glühenden Steine liegen. Die ausgehobene Erde wird entweder vor dem Eingang oder zwischen Inipi und Feuerstelle zu einem Altar aufgeschichtet. Bei Benutzung der Schwitzhütte wird das Weidengerüst anschließend mit Fellen abgedeckt.

Bei dem Bau der Lakota Indianer symbolisiert das Inipi die Erde; die sechs Schritte entfernte Feuerstelle versinnbildlicht die Sonne, die die Erde mit Energie versorgt. Die glühenden Steine, die in Form eines komplexen Schichtfeuers auf der Feuerstelle erhitzt werden, repräsentieren dabei die „Samen von Großvater Sonne“.

Für die Lakota Indianer spielen auch Zahlen eine wichtige Rolle beim Bau einer Schwitzhütte: Die vier Ringe der Kuppel symbolisieren dabei die vier Schöpfungsphasen der Geister und werden erneut bei den vier Durchläufen im Ritual aufgegriffen. Die Anzahl der Steine variiert zwischen 32 und 64 – je nach Ritual und selbst die Anzahl der Weidenstäbe wechselt in Abhängigkeit des Nutzens zwischen zwölf und 16 Stäben. Ähnlichen komplexen Regeln unterliegt der komplette Schwitzhüttenbau sowie der Ausrichtung, damit das versinnbildlichte Gleichgewicht der Kräfte nicht gestört wird.

Das Ritual

Für die Durchführung eines Schwitzhütten Rituals werden ein Ritualleiter, der das selbige durchführt und ein Feuermann benötigt. Das Ritual beginnt bereits mit den gemeinsamen Vorbereitungen wie dem Sammeln von Holz und der Steine. Im Anschluss wird unter Trommeln und Gesang das Feuer entzündet, welches einige Zeit benötigt um die Steine zum Glühen zu bringen.

Ritual

Der Ablauf der alten Rituale wird in Felszeichnungen wiedergegeben

Bei Erreichen der Temperatur legen die Ritualteilnehmer dann ihre Kleidung ab und ihre Opfergaben auf den Altar, bevor sie in der Hütte Platz nehmen. Der Feuermann ist nun dafür verantwortlich, dass die glühenden Steine in die Hütte transportiert werden.

Innerhalb der Hütte beginnt das Ritual mit der „Einladung der Ahnen“, bevor meistens vier Besinnungs- bzw. Gebets-Runden folgen, die jeweils eine verschiedene Anzahl an Aufgüssen beinhalten. Da der Prozess innerhalb eines Inipis die Rückkehr in den Bauch der Mutter bzw. in den Schoß von Mutter Erde symbolisiert sind Pausen nicht vorgesehen. Dieses Ritual dient der Reinigung und symbolisiert auch eine Erneuerung der Lebensenergie.