Strohballen sind für die Kinder fast unwiderstehlich. Ist der Boden trocken und die Strohballen zum Spiel freigegeben, ist Bewegung angesagt: Die Ballen werden, über die Kanten rollend, an neue Plätze geschaffen, übereinander getürmt, mit Brettern verbunden, sodass regelrechte Parcours entstehen.
Wo die Begeisterung über ein begrenzt vorhandenes Material groß ist, kommt es auch mal zu Streitigkeiten. Es bilden sich zwei, drei Gruppen, die jeder ihre Rechte auf auf einen, zwei, drei und am besten alle Ballen geltend machen möchte. Dann sind wir gefragt, treten näher, beschreiben was wir sehen und bleiben so lange mit den Kindern, bis diese eine Lösung gefunden haben.
Eine Szene ist mir eindrucksvoll in Erinnerung: eine kleine Schar von Kindern hatte es sich in den Kopf gesetzt, zwei Strohballen auf das Klettergerüst (unser "Gitterbett", welches als Haus, Rückzugsort und Platz für verschiedene Rollenspiele dient) zu hieven. Da wurde geschoben, gezogen, Kommandos erteilt, Plätze getauscht - Es war ein enormes Stück Arbeit.

Und dann - auf einmal war es geschafft. Die Kinder schauten sich kurz fast fassungslos an, und dann begannen alle auf einmal zu lachen und rühmten übersprudelnd ihre Beiträge: "Das ging nur, weil ich geschoben habe", "und weil ich gezogen haben" und so weiter. So ein Lachen hörte ich nur selten, und die Kinder strahlten allesamt über das ganze Gesicht.
Was mag das Gute, das Wichtige daran gewesen sein, diesen Ballen auf das Gerüst zu bringen? Solche Fragen verschwinden aus dem Geist, wenn man einmal dabeistehen und zusehen durfte, wenn ein solches Werk gelingt. Ich hatte die ganze Zeit nur zugesehen. Keine Ratschläge, keine Unterstützung. Die ganze Zeit waren Gedanken in meinem Kopf, die darum kreisten, wie schön es ist, wenn Kinder selbst über ihre Tätigkeiten bestimmen dürfen, und wie arm im Gegensatz dazu meine eigenen, wenn auch gut gemeinten "Spielvorschläge" gewesen wären.



