Für offene Wunden gibt es Arnika- Tinktur, und für den erlittenen Schreck viel, viel Zeit zum Weinen und etwas Rescue- Tropfen oder -Salbe. Für jene echte Notfälle, bei denen unsere kleine Apotheke nicht ausreicht, hat jeder von uns BetreuerInnen ein Handy dabei, um Hilfe von auswärts organisieren zu können.
Sätze wie 'Ach komm, das ist doch nicht so schlimm', die ich noch gut im Ohr habe, gehören nicht zu unserem Sprachgebrauch. Wir beschreiben was wir sehen: 'Du bist hingefallen und dein Knie blutet. Das tut weh.' Es gibt keine Abkürzungen für solche Erfahrungen. Was wir tun können ist, dabei zu bleiben, Nähe zu geben, und am Schluss die Wunde mit Arnika- Tinktur und einem Pflaster versorgen.

Apropos Pflaster: Eine Weile hatten sie es den Kindern angetan: Zwei Kinder zogen sich ein wenig hinter einen Baum zurück. Kichern, Getuschel. Ich gehe näher ran und sehe ein Kind mit einem Pflaster auf der Stirn. Komisch, ich hatte das beim morgentlichen Treffen gar nicht bemerkt. Und da - das zweite Kind hat auch ein Pflaster! 'Aha, daher weht der Wind!', dachte ich bei mir und ließ mir erzählen: 'Wir spielen Krankenhaus und haben uns verletzt.', wird mir mit wichtiger Miene erklärt.
Verletzungen geschehen meist aus Unachtsamkeit. Und so gesehen sind 'unsere' Kinder wahre Meister der Achtsamkeit: In Anbetracht dessen, was alles passieren könnte, passiert herzlich wenig. Die Kinder kennen üblicherweise ihre Grenzen, testen sie auch mal aus, aber in einem Maß, das ihren Erfahrungen entspricht.
Immer wieder gibt es Situationen, in denen ich beobachten kann, wie Kinder etwas nachahmen wollen, was ein anderes Kind gerade getan hat, und wie diese Kinder auf halbem Wege kehrt machen, weil es doch eben zu gefährlich oder zu schwer ist. Und jedes Mal denke ich mir, wie souverän doch die Kinder darin sind zu unterscheiden, was sie können und was nicht



